Widerstandsfähige Rhododendren

Rhododendren gelten unter Gartenbesitzern aufgrund ihrer besonderen Bodenansprüche als anspruchsvolle Pflanzengruppe. Schaderreger wie Mehltau, Knospensterben oder Andromeda-Netzwanze haben zudem in den vergangenen Jahren ihrer Reputation etwas geschadet. Dabei gibt es durchaus widerstandsfähige Arten wie Sorten, die sich am richtigen Gartenstandort gegen diese Widrigkeiten gut behaupten können.

Die letzten drei heißen und trockenen Sommer haben vielen Bäumen und Sträuchern in Gärten und freier Landschaft heftig zugesetzt. Flach wurzelnde Pflanzen wie Rhododendren, die zudem luftfeuchte Standorte bevorzugen, leiden besonders in langen Trockenphasen. Sie können nur in den obersten 30 bis 40 cm des Bodens auf verfügbares Wasser zugreifen und benötigen daher für ein gutes Gedeihen in solchen Hitzeperioden zusätzliche Wasserzufuhr. Mit guter Planung und mit den geeigneten Rhododendron-Kultivaren können die Folgen extremer Sommer abgemildert und die Auswirkungen der eingangs genannten Schaderreger vermieden werden. Dafür müssen Gartenbesitzer zunächst eine geeignete Stelle im Garten wählen und die notwendigen Bodenvorbereitungen treffen. Dann gilt es jene Sorten oder Arten zu verwenden, die bekanntermaßen robust gegenüber den Schaderregern sind oder sich als trockenheitstoleranter als die gängigen Varietäten erwiesen haben.

Vor der Wahl der richtigen Pflanze steht also zunächst die Umsetzung der grundsätzlichen Standortbedingungen für Rhododendren. Ein geeigneter Platz im Garten ist etwa ein durch Schattenwurf vor zu starker Sonneneinstrahlung ab den Mittagsstunden geschützter Standort - bereits die richtige Platzwahl kann somit Schäden durch Hitze und Trockenheit vorbeugen. Der Boden muss sehr gut durchlüftet und damit drainfähig, aber zugleich auch sauer sein.

Die Pflanzung erfolgt vorzugsweise im Herbst, denn bis zum nächsten Frühjahr können die Rhododendron bereits anwurzeln und dadurch gestärkter in vermutlich auch zukünftig auftretende, klimatisch schwierige Vegetationsperioden gehen. Es darf niemals zu tief gepflanzt werden! Ein Minimum an gärtnerischer Pflege, darunter das Wässern in Trockenzeiten und eine ausreichende Nährstoffversorgung, gehört zum Erfolg dazu.

Die richtige Pflanzenwahl setzt natürlich ein entsprechendes Angebot durch die Produzenten und Verkaufsstellen voraus. Auf dieser Ebene wird leider das Potential, dass die Gattung Rhododendron insgesamt bietet, noch nicht voll ausgeschöpft. Das kann sich durch entsprechende Nachfrage von Verwendern ändern.

Die Vielfalt innerhalb der Gattung ist ihr größtes Plus. Zum einen lassen sich unter den Hunderten kultivierter Rhododendron-Arten und Sorten genügend Vertreter finden, die als abgehärtet gegenüber Mehltau, Knospensterben oder Andromeda-Netzwanze gelten. Zum anderen liegt in der Mannigfaltigkeit der Gattung der Schlüssel, um auch die Herausforderungen durch wärmer werdende und länger anhaltende Sommermonate bewältigen zu können.

Erkenntnisse, welche Sorten besser geeignet sind als andere, liegen zum Teil schon seit längerem vor, doch werden diese bislang nicht konsequent aufgegriffen. Ein klassisches Beispiel für dieses Umsetzungsdefizit in der produzierenden Branche ist R. 'Praecox'. Diese als Vorfrühlings-Rhododendron bekannte Sorte ist ein Paradebeispiel für schlechte Blatthaltekraft und frühzeitige, starke Vergreisung und wird daher zurecht schon lange als entbehrlich eingestuft (Ehsen 2006). Obwohl es mit 'P.J.M. Elite', 'P.J.M. Regal' und 'Checkmate' attraktivere und in jeder Hinsicht deutlich überlegene Sorten gibt, die unter anderem eine viel bessere Belaubung aufweisen, die sich im Herbst sogar noch bronzefarben bis schwarzrot verfärbt (Abb. 1, 2), behauptet sich 'Praecox' dennoch weiterhin am Markt.

Wichtig ist es also, aus den zumeist an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Bad Zwischenahn/Rostrup gewonnenen Sichtungsergebnissen die notwendigen Schlüsse zu ziehen, um dem Endverbraucher Sorten zu offerieren, die den gängigen Schaderregern Paroli bieten (Ehsen 2009, 2012, 2019). Damit werden nicht nur Pflanzenschutzmaßnahmen überflüssig, das Image der Pflanzengruppe insgesamt würde sich dadurch verbessern.

Am häufigsten nennen Gartenbesitzer das Knospensterben (Seifertia azaleae) an immergrünen Rhododendron als Ärgernis, in letzter Zeit ist die Andromeda-Netzwanze (Stephanitis takeyai) hinzugekommen. Sie sitzt blattunterseits und saugt die Blattzellen aus, was zu einer starken Vergilbung des Laubes führen kann. Bei sommergrünen Azaleen ist es der Echte Mehltau, der die Pflanzen ab dem Sommer zunehmend unansehnlicher werden lässt. Durch den vorzeitig einsetzenden Blattfall wird dazu noch die zu erwartende Herbstfärbung des Laubes verhindert. Für alle drei Probleme gibt es Abhilfe.

Sichtungen haben gezeigt, dass mit Ausnahme der Sorte 'White Melodie' nahezu alle marktüblichen Knap-Hill-Azaleen mehr oder weniger stark mehltauanfällig sind. Hingegen haben sich die erst seit wenigen Jahren in den Focus einiger Produzenten geratenen Viscosum- und Austrinum-Hybriden sowie einige der seit fast 200 Jahren in Kultur befindlichen Genter Azaleen wie 'Narcissiflorum' oder 'Pucella' (Abb. 3) als mehltaufrei bis wenig anfällig erwiesen (Tab. 1).

Gegenüber den Knap-Hill-Azaleen haben sie häufig kleinere, aber nicht minder attraktive, zum Teil sogar duftende Blüten, die in großer Zahl erscheinen. Sie treten meist erst im Juni zusammen mit dem frischen Laub auf, dadurch tritt ihre Farbwirkung gegenüber den frühzeitiger blühenden Knap-Hill-Azaleen etwas zurück. Auf der Plusseite steht jedoch, dass kein Pflanzenschutz betrieben werden muss, da das Laub gesund ist und damit lange am Strauch verbleibt und somit auch seine Herbstfärbung zeigen kann. Unter den reinen Arten sind es R. austrinum, prinophyllum und die mehltaufreien Typen von R. luteum, die geeignete Alternativen darstellen.

Viele bekannte Rhododendron-Sorten wie zum Beispiel 'Catawbiense Grandiflorum', 'Catharine van Tol', 'Fantastica', 'Feuerschein', 'Goldflimmer', 'Junifeuer', 'Kabarett' oder 'Polarnacht' sind leider gegenüber dem Knospensterben besonders empfindlich. Dieser pilzliche Schaderreger kann nicht mit Fungiziden bekämpft werden. Vielmehr wird versucht, die Rhododendron-Zikade als vermeintlichen Überträger des Pilzes mit Insektiziden zu kontrollieren. Langjährige Sichtungen in Rostrup (Ehsen 2012, 2019) haben gezeigt, dass es unter den marktüblichen Sorten jedoch eine Reihe von Kultivaren gibt, die nicht oder kaum befallen werden (Tab. 2). Ihre Verwendung erübrigt den Einsatz von Insektiziden.

Unter diesen unempfindlichen Sorten befinden sich auch einige, die sich durch eine ausgeprägte Behaarung (Indument) auszeichnen (in Tab. 2 mit * versehen). Während blattoberseits das Haarkleid mit zunehmender Ausreifung der Blätter nach einigen Wochen oder sogar erst Monaten abfällt, verbleibt es auf der Blattunterseite dauerhaft. Dieses attraktive Indument, das etwa bei R. yakushimanum und makinoi sowie vielen ihrer Abkömmlinge wie 'Karminkissen', 'Schneekissen' oder 'Fuju kaku no matsu' auftaucht (Abb. 4, 5), ist ein wirksamer Schutz sowohl gegen die Rhododendron-Zikade als auch die Andromeda-Netzwanze. Beide Schädlinge meiden behaarte Blätter, sodass es zu keinen Saugschäden an den Blättern beziehungsweise zu keinem nachfolgenden Knospensterben kommt.

Diese behaarten Sorten haben noch einen weiteren Vorteil. Sie gehören zur Gruppe der "Laubschönen Rhododendron", die nach der Blüte durch ein attraktives beiges, silbriges, hell- oder rotbraunes Blattwerk glänzen (Abb. 4-6), das sich wunderbar mit vielen verschiedenen Stauden, Gräsern oder Gehölzen kombinieren lässt und für zusätzliche gestalterische Reize im Garten sorgt (Schepker 2010, 2018). Aber auch die in Tabelle 2 aufgeführten unbehaarten Sorten wie 'Abba', 'Dagmar' und andere (Abb. 7, 8) schlagen sich hervorragend gegen die Andromeda-Netzwanze.

Während die behaarten Sorten gegen beide Schaderreger häufig gut abschneiden, gibt es unter den aktuell in Gärten noch viel präsenteren unbehaarten Sorten unter den großblumigen Rhododendron leider nur wenige, die sowohl gegen das Knospensterben als auch die Andromeda-Netzwanze immun zu sein scheinen. Im Moment ist die rot blühende 'Taurus' (Abb. 9) die einzige nahezu "eierlegende Wollmilchsau-Sorte", die aufgrund ihres sehr harten Laubes frei von Schaderregern bleibt. Ihr einziges Manko ist die bereits im April einsetzende frühe und damit spätfrostgefährdete Blüte. Angesichts ausbleibender Winter zumindest in einigen Bereichen Deutschlands dürfte dies zukünftig weniger ein wunder Punkt sein.

Hohe Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit und starke Sonneneinstrahlung - sprich die Sommer 2018 bis 2020 - stellen insbesondere für die immergrünen Rhododendren das genaue Gegenteil ihrer Optimalbedingungen dar. Verstärkt in den Fokus geraten daher nun Rhododendren, die diese widrigen Bedingungen tolerieren können. Auch hier hilft die enorme Vielfalt innerhalb der Gattung bei der Suche nach Alternativen.

Unter den immergrünen Vertretern gelten die frühblühenden Dauricum/Minus-Hybriden wie die bereits genannten 'P.J.M. Elite', 'P.J.M. Regal' und 'Checkmate' aber auch die Sorten 'Olga Mezitt' und 'P.J.M. Victor' als besonders trockenheitstolerant. Ihr aromatischer Blattduft zusammen mit der hervorragenden herbstlichen Blattverfärbung (Abb. 2) sind weitere gute Gründe, diese Pflanzengruppe stärker zu verwenden.

Nach den Erfahrungen verschiedener Kultivateure in Norddeutschland überstehen zudem polyploide Sorten, die dank eines erhöhten Chromosomensatzes über dickere Blätter und Stängel sowie größere und festere Blüten verfügen, Trockenperioden mit geringen Niederschlägen und unzureichender Wasserzufuhr besser als viele der marktrelevanten Sorten (Schepker 2014). Als sonnen- wie trockenheitsverträglich gelten demnach die Sorten 'August Lamken', 'Frentano', 'Haithabu', 'Pearce's American Beauty' und 'Walküre' sowie 'Taurus'.

Auch die Yakushimanum-Hybriden (s. Tab. 2) werden bei ausreichender Bodenfeuchte diesbezüglich als robuster im Vergleich zu vielen der altbekannten Catawbiense- beziehungsweise Ponticum-Sorten eingeschätzt. Allerdings gibt es doch durchaus starke Sortenunterschiede. Als Faustregel für eine Einschätzung der vielen erhältlichen Yakushimanum-Kultivare mag der Hinweis dienen, dass eine länger anhaltende Behaarung der Blattoberseiten auf sonnenreichen Standorten von Vorteil ist (Abb. 5).

Wer auf immergrüne Sorten dennoch lieber verzichten möchte, dem steht eine Reihe von sommergrünen Azaleen zur Verfügung, die sich als besonders robust in Trockenzeiten erwiesen haben. Das sind reine aus dem Osten Nordamerikas stammende Arten wie R. austrinum, R. alabamense, R. canescens, R. prinophyllum, R. viscosum und R. vaseyi, aber auch die von ihnen abstammenden und vorwiegend bei norddeutschen Baumschulen erhältlichen Kultivare wie 'Framingham' (Abb. 10), 'June Jubilee', 'Lemon Drop', 'Lollipop', 'Jack Andrews', 'My Mary', 'Pink and Sweet', 'Quiet Thoughts' oder 'Weston's Innocence' (Abb. 11) sein. Sie alle haben sich zudem als mehltaufrei erwiesen (s. Tab. 1).

Für jede der hier empfohlenen Sorten und Arten gilt, dass sie ihre Stärken erst dann ausspielen können, wenn sie ausreichend eingewachsen sind. Frisch gepflanzte Rhododendren und Azaleen müssen in den Anfangsjahren insbesondere bei Trockenheit gegossen werden, obgleich es auch eingewachsenen Exemplaren bei länger anhaltenden Dürren gut tut, eine gelegentliche Wasserzufuhr zu erhalten. Diese vermeintliche Selbstverständlichkeit sollte jedem Kunden mit auf den Weg gegeben werden.


Literatur

  • Ehsen, B. (2006): Im Test: Frühblühende Rhododendron. Deutsche Baumschule 58 (4), S. 24-25.
  • Ehsen, B. (2009): Mehltauanfälligkeit laubabwerfender Azaleen. Deutsche Baumschule 61 (4), S. 24-27.
  • Ehsen, B. (2012): Aktuelle Sichtungsergebnisse zum Knospensterben an großblumigen Rhododendron-Hybriden. Deutsche Baumschule 64 (4), S. 34-36.
  • Ehsen, B. (2019): Anfälligkeit von Rhododendron-Sorten gegen Knospensterben und Netzwanzenbefall. Rhododendron und Immergrüne Band 28: S. 115-118.
  • Schepker, H. (2010): Die "zweite Blüte" - attraktive Austriebe bei Rhododendron. Deutsche Baumschule 62 (4): S. 32-34.
  • Schepker, H. (2014): Blütenriesen und mehr: Polyploide als Züchterschatz. Deutsche Baumschule 66 (4): S. 31-33.
  • Schepker, H. (2018): Samtige Blattschönheiten - Rhododendron mit außergewöhnlichem Laub. Gartenpraxis 03_2018: S. 26-33.

Ausgewählte Unternehmen

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de