Recycelte Carbonstäbe erhalten wertvolle, alte Bäume

Stabilisierung eines Baum-Torsos mit Exoskelett-Stützen und Gurtbändern. Die Carbonstäbe für das Exoskelett sind dabei hochfest und elastisch-steif bei sehr geringem Gewicht.Foto: A. Detter, Brudi & Partner TreeConsult

Im Siebentischwald von Augsburg wird ein neues Konzept erprobt, bei dem Carbonstäbe aus ausgedienten Rotorblättern zur Stabilisierung alter Bäume weitergenutzt werden. Erfolgreiche Ergebnisse bei der Erprobung kämen zur rechten Zeit, denn leider sehen sich die Kommunen vielerorts durch die rechtlichen Vorgaben dazu verpflichtet, wertvolle Bäume im öffentlichen Bereich frühzeitig zu entfernen, um die Verkehrssicherheit gewährleisten zu können. Durch die Maßnahme im Siebentischwald zeichnen sich nun neue Möglichkeiten ab, der Sicherungspflicht gerecht zu werden und gleichzeitig die Bäume mit ihrem ökologischen Wert für die Umwelt zu erhalten.

Das Material Carbon ist sehr stabil, langlebig und widerstandsfähig gegen Korrosion und Umwelteinflüsse. Verwendet man sie in Form von Stützen oder Exoskeletten, bekommen abgestorbene Bäume eine zweite Daseinsphase und gefährdete aber noch lebende Bäume können stabilisiert und erhalten werden. Große alte Bäume und historische Baummonumente überdauern somit mit ihrem nahezu unersetzlichen Wert für die Artenvielfalt. In rmanchen Fällen können selbst tote Bäume einen lebenden Baum in Ihrer Bedeutung als Rückzugsraum für Insekten, Kleinsäuger und Vögel übertreffen.

Franz Weißgerber, Geschäftsführer der iii-Carbon Weißgerber GmbH aus Reimlingen bei Wallerstein und Dr. Michael Heine von der Universität Augsburg beschäftigen sich beide bereits seit mehr als 35 Jahren mit dem Hochleistungswerkstoff Carbon. Aktuell untersuchen sie die Wirtschaftlichkeit von Optionen zur Weiterverwendung der Carbon-Materialien, wenn die Nutzungsdauer der ursprünglichen Anwendung abgelaufen ist. Im Zuge weitere Projekte fand sich als Unterstützer der Idee der Sachverständige Andreas Detter, Brudi & Partner TreeConsult in Gauting. Mit Hilfe seines Fachwissens sowie Spezialausrüstung und Spezialsoftware unterstützt er bei Berechnungen und Montage. Es gibt bereits Planungen für weitere Abstützungen an lebenden Bäumen mit massiv beeinträchtigter Verkehrssicherheit. Das birgt jedoch zusätzliche Herausforderungen. Zum einen ist ein lebender Baum noch viel elastischer und flexibler. Die Aufnahme solcher dynamischen Bewegungen durch eine Abstützung erfordert eine hochelastische Auslegung des Exoskeletts. Die Ermüdungsfestigkeit, die das Material bereits in zahlreichen Anwendung wie Flugzeugtragflächen und Rotorblätter gezeigt hat, lässt hier einzigartige Lösungen zu.

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