Minister, Staatssekretäre und Bürgermeister bekennen sich zum Stadtgrün

BGL-Roadshow mobilisiert so viele Politiker für den Garten- und Landschaftsbau wie lange nicht

Bundesumwelt- und Bauministerin Barbara Hendricks nutzte den Auftakt der Roadshow "Grün in die Stadt" zur Kritik an den Prioritäten der Kommunen.Foto: BMUB/Sascha Hilgers

Die im Mai eröffnete Roadshow "Grün in die Stadt" des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) hat so viele Politiker für die Sache der Landschaftsgärtner gewonnen wie lange nicht mehr. Bereits zur Eröffnung des Pop-up-Parks auf dem Potsdamer Platz in Berlin sprachen die Bundesumwelt- und Bauministerin Barbara Hendricks und ihr Staatssekretär Gunther Adler.

Die Ministerin nutzte die Veranstaltung für eine Kommunen-Schelte. Sie bemängelte, dass "Grünflächen von städtischen Kämmerern oft nur als Kostenfaktor wahrgenommen" würden. Darum sei es wichtig, den großen gesellschaftlichen und ökonomischen Wert von urbaner grüner Infrastruktur aufzuzeigen. Natur in der Stadt verbessere die Luftqualität und das Stadtklima, mildert Hitzewellen und mindert den Lärm, erläuterte Hendricks in einer Presseerklärung, mit der sie ihren Besuch der Roadshow ankündigte.

Hendricks kritisiert städtische Kämmerer

Lob dagegen gab es von der Politik für die Landschaftsgärtner: Staatssekretär Gunther Adler verlieh der Roadshow den Titel "Ausgezeichneter Beitrag der UN-Dekade Biologische Vielfalt". BGL-Präsident August Forster und BGL-Hauptgeschäftsführerin Ursula Heinen-Esser erhielten eine Urkunde. Sie würdigt das BGL-Engagement für mehr urbanes Grün und für mehr Artenvielfalt im städtischen Raum.

Staatssekretär Gunther Adler (l.) verlieh der Roadshow den Titel "Ausgezeichneter Beitrag der UN-Dekade Biologische Vielfalt". BGL-Hauptgeschäftsführerin Ursula Heinen-Esser und BGL-Präsident August Forster nahmen die Urkunde entgegen.Foto: Gloria Ballhause/Neue Landschaft

Hamburger Senator kündigt "Natur-Cent" an

Für Berlin kündigte Umweltsenator Andreas Geisel vom Pult der Roadshow aus neue Aufträge für den GaLaBau an: Die Stadt plane eine neue Grünfläche auf dem Gelände des derzeitigen Flughafens Tegel, sobald er geschlossen sei. In Hamburg nahm Umweltsenator Jens Kerstan an der Roadshow teil. Er gab dort die Einführung eines "Natur-Cents" bekannt: "Wenn auf einer Fläche neue Wohnungen entstehen, fließen gleichzeitig Mittel, um Grünflächen an anderer Stelle aufzuwerten und besser zu pflegen."

In Rostock besuchte Stefan Rudolph, Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts-Staatssekretär den mobilen Park des BGL. "Zukunftsfähige Stadtentwicklung und städtische Naturräume gehören zusammen", sagte er auf dem Universitätsplatz. Eva Jähnigen, Dresdens Umweltbürgermeisterin, pflanzte Stauden im Roadshow-Grün auf dem Postplatz. Anschließend nahm sie sich Zeit für eine ausführliche Diskussion mit GaLaBau-Unternehmern und Mitarbeitern des Grünflächenamtes. In Dessau nutzte Oberbürgermeister Peter Kuras die Roadshow als Ausgangspunkt zur Begehung der geplanten Flächen für die Landesgartenschau 2022. Um ein derart gutes Verhältnis zwischen Politik und grüner Branche zu finden, muss man schon weit zurückgehen. Möglicherweise bis in die Zeit vor die Gründung des BGL, zum legendären Ernst Schröder.

Parallel zu seinem Amt als Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) war der Gartenbau-Unternehmer von 1950 bis 1958 stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender im Hessischen Landtag. Gemeinsam mit Bundespräsident Theodor Heuss hob er 1951 die Bundesgartenschau aus der Taufe, bewegte das Staatsoberhaupt 1955 dazu, die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft (DGG) wiederzubeleben.

Auch mit Heuss' Nachfolger, Heinrich Lübke, pflegte Schröder enge Kontakte. 1960 organisierte er einen Lübke-Auftritt bei den Mainauer Rundgesprächen. Es war die erste Rede eines Bundespräsidenten zum Thema Umweltpolitik: "Gesunde Luft - gesundes Wasser - gesunder Boden".

Einen sechsstelligen Betrag aufgewendet

Die Roadshow quer durch Deutschland hat sich der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau etwas kosten lassen. Ein sechsstelliger Betrag wurde dafür aufgewendet, sagte BGL-Hauptgeschäftsführerin Ursula Heinen-Esser. Seit dem vergangenen Jahr ist die Kampagne von ihr und der Berliner Agentur We Do Communication vorbereitet worden.

Der Roadshow-Slogan "Grün in die Stadt" knüpft ganz bewusst an die vom Bundesumwelt- und Bauministerium sowie dem Bundeslandwirtschaftsministerium gestartete Initiative "Grün in der Stadt" an. Vor genau zwölf Monaten hatten die zwei Ministerien dazu ein Grünbuch vorgelegt, das eine Bestandsaufnahme zum urbanen Grün in Deutschland vornahm. Für das Frühjahr 2017 wurde ein Weißbuch mit einem Maßnahmenkatalog angekündigt. cm

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